2012: Fränkische Schweiz

Bläserfahrt vom 3.-6.10.2012 in die Fränkische Schweiz

 

Teufelshöhle, Klosterdorf Speinshart, Walberla und Burg Greifenstein, um nur ein Paar Ausflugsziele zu nennen, standen auf dem Programm der viertägigen Fahrt des Blasorchester Garching; optimal ausgetüftelt von Norbert und Cornelia Kutta.

Donnerstag 3.10. Abfahrt 9.00 Uhr – alle Instrumente gut verstaut und im vorgeheizten Bus Platz genommen, starten wir bei schönstem Herbstwetter. Rainer am Steuer und Ludwina in der Bordkombüse sind uns seit der Berlinfahrt schon bestens vertraut.

Zur Führung durch das Klosterdorf und die Basilika Speinshart erwartet uns nach staubedingter Verspätung Herr K. mit der Aura des Spezialwissenden. Wer ein bedeutendes Weltkulturerbe erklären will, kann sich keine Scherze leisten. Die üppige Stuckatur von Lucchese beeindruckt und der hl. Norbert mit der Monstranz als Ordensgründer ist uns allen auf Anhieb sympathisch. Am Bus wartet auf uns eine herzhafte Würstl-brotzeit und frischer Kaffee. Gisela dreht inzwischen eine Ehrenrunde mit dem Abt als Chauffeur.

Gerne hätten wir im nahen Lindenhardt den berühmten Grünewald-Altar bewundert – aber: Kirche zugesperrt und Telefon des Mesners auf stumm geschaltet. Schade!

Die Landschaft wird wildromantisch. Steile Abfahrten, immer engere Täler mit bizarren Felsgebilden und die Straße parallel zum mäandernden Fluss. Nach unzähligen Windungen dann  Muggendorf mit dem Hotel „Goldener Stern“ und  Begrüßung durch seinen pfundig aufgelegten Wirt. Alle bekommen ein angenehmes Zimmer und reichlich gutes Abendessen.

Freitag, 4.10. Herbstnebel über den Feldern auf der Fahrt zum Musikhaus Thomann. Alles was man zur Musik brauchen könnte, gibt es in diesen chaotisch großen und verwinkelten Gebäuden zu kaufen. Unser Blasorchester lebt vom Ehrenamt und Applaus, da verweigert die private Haushaltskasse einen „Sonderwunsch“. Über Bamberg führt der Weg nach Forchheim, aber der klare Wegweiser zu den Felsenkellern ist nicht zu sehen. Rainer zirkelt den Bus durch engste Gässchen. Erst ein Anruf bei dem wartenden Fremdenführer bringt uns ans Ziel. Die Truppe wird aufgeteilt in Violin-, mit Herrn Völs und Bassschlüssel, mit Herrn Siebenhaar. Auf geht´s  in die kühlen Felsenkeller. Alles Wissenswerte über die Geschichte des Bierbrauens, die Erfindung der Brezel, die Frauen als erste Bierbrauer !!! und die Lagerung des wohlschmeckenden Gebräues in den temperatursicheren Felsenkellern wird uns anekdotenreich und humorvoll geschildert. Der Winterbauer-Keller hat für uns zur Bierprobe eine klasse Brotzeit vorbereitet und Völs und Siebenhaar garnierten beinahe jeden Schluck mit einem Trinkspruch. Da könnt’ man es noch länger aushalten, aber der Muggendorfer  Wirt hat ein Buffet vorbereitet – für jeden Gaumen und Sonderwunsch was Leckeres. Bevor sich Verdauungsmüdigkeit verbreitet, wird Musik gemacht. Die Bilder an den Wänden zittern!

Samstag, 5.10. Die Teufelshöhle von Pottenstein empfängt die warm angezogene Reisegruppe. Es geht im Gänsemarsch durch die sparsam beleuchteten, engen und oft sogar niedrigen Höhlengänge vorbei am Höhlenbären und vielen Grotten mit märchenhaften Bezeichnungen. Mal erklärt von den immer wieder auftauchenden Führern, oder per Lautsprecher mit Höhlensound. Gössweinstein ist zur freien Besichtigung auf dem Plan. Basilika, Burg und Spielzeugmuseum oder eine Einkehr zu fränkischen Bratwürsten. Wieder im Bus fängt es an zu tröpfeln. Kein Grund auf die Wanderung auf das Walberla zu verzichten, hat doch unser gewichtiger Wirt für das Abendessen eine frisch gegrillte Sau versprochen. Wie schon in Forchheim ist auch hier die Wegweisung sparsam bis unsichtbar und verführt einen Teil der Gruppe zu einem alpinen Marsch, den anderen zu einem ungewissen aber schlussendlich doch zielführenden Weg ins Tal zum Brauereigasthof Drummer in Leutenbach. Süffiges dunkles Bier und eine kleine Jause in der warmen Gaststube lassen die brennenden Sohlen vergessen.

Zum Abendessen stehen wir Schlange für ein rösches Stück Schwein, vom Tiroler Chefkoch persönlich runtergesäbelt. Sauce, Knödel und Weißkrautsalat. Himmlisch! Der Wirt spendiert den Verdauungsschnaps und wir bedanken uns beim Chefkoch mit dem Bozner Bergsteiger Marsch. Er ist ergriffen!

Sonntag, 6.10. Heimfahrt und letzter Besichtigungspunkt: Schloss Greiffenstein thront hoch auf einem Felsen über dem Ort Heiligenstadt,   Stammsitz derer zu Stauffenberg seit dem 15. Jahrhundert. Wir sind angemeldet, ausnahmsweise zu früh dran und läuten auch noch. Das mag der Adel nicht. Mit respektvoller Verspätung öffnet sich das Burgtor und der Kustos teilt die Menge in zwei Blöcke für sich und seine Frau auf. Humorvoll und mit verschmitztem Charme führt uns der Alleskönner durch die Schlosskapelle zurück in den Burghof und demonstriert wie lange ein Stein braucht, bis er den 92 Meter tiefen Wasserspiegel des Brunnens erreicht. Selbst die weltberühmte Waffensammlung verliert ihren Schrecken durch die gekonnte Präsentation. Lange Flure mit gewaltigen Trophäen, Räumlichkeiten im Urzustand wie seit Jahrhunderten und wie sie noch heute bewohnt werden.

Gottlob ist es im Bus warm. Es geht mit Pflichtpausen für den Fahrer wieder Richtung Heimat. Die zwanzigste Bläserfahrt geht nach 775 km zu Ende. Der Dank an Lenker und Leiter kommt von Herzen, wie es nur Eckhart ausdrücken kann.

Karl Dyck