2010: Blasorchester auf Tour

Am 1. Oktober, pünktlich um neun Uhr morgens brach eine muntere Gruppe –  Musiker, Familienangehörige und Freunde des Garchinger Blasorchesters – zur diesjährigen Orchesterfahrt auf: Schöneck im sächsischen Vogtland war das Ziel der Reise.

Unser erster Halt war Mödlareuth, bekannt als „Little Berlin“ – ein kleiner Ort, der auf bayerischem und thüringischem Boden liegt und von 1966 bis 1990 durch eine Mauer getrennt war. Keine noch so ausführliche Dokumentation kann die Eindrücke und Gefühle vermitteln, die entstehen, wenn man selber in diesem Ort steht.

Am frühen Nachmittag kamen wir im Hotel an, herrlich auf 800 m gelegen mit einem eindrucksvollen Panoramablick. Neben ausgezeichneten Frühstücks- und Abendessensbuffets stand uns eine tolle Badelandschaft zur Verfügung, in der wir dann am Samstagnachmittag versuchten, wenigstens ein paar Kalorien der leckeren Gerichte zu neutralisieren. Einige Frühaufsteher schafften es sogar noch am Sonntagmorgen vor dem Frühstück (!), das Bad zu nutzen.

Doch kaum waren die Koffer ausgepackt, ging es zur nächsten Besichtigung nach Wohlhausen zu Hüttel’s Musikwerke-Ausstellung. Frau Hüttel führte uns durch die Sammlung von Grammophonen, Orchestrions, Konzertorgeln und vielen anderen Instrumenten, die sie uns mit viel Witz und Enthusiasmus erklärte und vorspielte.

Abends stand uns im Hotel ein geräumiger Raum zur Verfügung, in dem wir musizieren durften. Wir hatten zwar mit dem Handicap zu tun, dass bei einigen Instrumenten die ersten Stimmen nicht besetzt waren, doch dank des unermüdlichen Einsatzes unseres Orchesterleiters Norbert Kutta, der uns im Notfall mit seiner Trompete unterstützte (also eigentlich immer), gelangen uns doch zwei „Konzertabende“, die uns viel Applaus einbrachten – zugegeben, das Publikum haben wir ja selbst mitgebracht. Alle hatten wir viel Spaß beim Musizieren und für unseren Busfahrer Schorsch spielten wir an jedem Abend sein Lieblingsstück „La Paloma“, weil er uns die ganzen Tage über wieder einmal bestens durch das Land chauffierte.

Am Samstag brachen wir nach Karlsbad in Tschechien auf, zwar verzögerten einige Umleitungen die Fahrt, doch hatten wir dabei die Gelegenheit, die wunderschöne Gegend zu genießen. In Karlsbad angekommen, promenierten wir entlang der Kuranlagen, kauften die berühmten Karlsbader Oblaten, tranken Kaffee – einige im berühmten Grandhotel Pupp – und ein paar ganz Mutige probierten das Heilwasser aus den zahlreichen Quellen, das angeblich so gegen ziemlich alles hilft, was der Mensch so haben kann. Auf der Rückfahrt nach Schöneck zwang uns eine nirgends eingetragene Brücke, die für unseren Bus leider ein wenig zu niedrig war, erneut zu einem kleinen Umweg. Doch die auf der Karte eingezeichnete Landstraße war nicht mehr als ein geteerter Forstweg und als es auch noch zu nieseln begann und wir durch menschenleere Wälder reisten, wurde es still im Bus. Groß war dann die Freude, als wie ein paar Häuser entdeckten – doch die Gesichtsausdrücke der Bewohner vermittelten uns den Eindruck, dass hier noch nie ein Bus gefahren war. Das abendliche „La Paloma“ hatte sich unser Busfahrer Schorsch redlich verdient!
So war es nicht schwer, uns noch zu einer Einkehr in einer kleinen Privatbrauerei in Erlbach zu bewegen, bevor wir uns im hoteleigenen Badepark austobten.

Und schon war der Sonntagmorgen gekommen, die Rückreise stand auf dem Programm, doch zuvor ging es noch nach Schneckenstein zur „Grube Tannenberg“, dem höchstgelegenen und kältesten Besucherbergwerk Sachsens. Mit viel Humor führte uns ein Bergmann in den Stollen und erläuterte uns die Geschichte des Bergbaus. Eine besonderes Erlebnis war für uns alle das Musizieren mitten im Bergwerk an einem riesigen Hohlraum mit See (leider durften die beiden einsamen Klarinetten nicht mitspielen, da die Feuchtigkeit das Holz zerstört hätte) – da kam echte Gänsehaut auf, selbst unser Führer war vom „Steigermarsch“ sehr beeindruckt.

Auf der Rückfahrt wurde im „Weihnachtsland“ in Stützengrün ein Stopp eingelegt und wir hatten die Möglichkeit, uns mit Weihnachtsartikeln von Christbaumkugeln über Räuchermännchen und Schwibbögen einzudecken. Nach einer Stärkung im Brauereigutshof Wernesgrün wurde der Weg zurück nach Garching eingeschlagen.

Wohlbehalten und mit vielen unterschiedlichen Eindrücken und Erlebnissen kamen wir am Abend wieder zuhause an. Ein riesengroßes Dankeschön an Norbert und Cornelia Kutta, die diese Reise geplant und erkundet haben, und an alle, die organisatorisch mitgewirkt haben, für diese tolle Orchesterfahrt!

Karl Dyck